BMBF-Forschungsschwerpunkt | Steuerung im Bildungssystem

Die Realisierung testbasierter Schulreform in der Mehrebenenstruktur des Bildungssystems

Team Gesamtprojekt Prof. Dr. Kuper/Prof. Dr. Maier

Team Gesamtprojekt Prof. Dr. Kuper/Prof. Dr. Maier

News vom 21.09.2012

Das Projekt „Die Realisierung testbasierter Schulreform in der Mehrebenenstruktur des Schulsystems“ untersucht, wie in vier deutschen Bundesländern die verschiedenen schulischen Ebenen (Schuladministration, Schulleitung, Fachleiter, Lehrkräfte) mit dem Steuerungsinstrument Vergleichsarbeiten umgehen. Das Projekt wird von der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg, der PH Schwäbisch Gmünd und der Freien Universität Berlin im Verbund durchgeführt.

Das Nürnberger Projektteam um Prof. Dr. Uwe Maier hat dazu in zwei Messzeiträumen Vertreter der Schuladministration, Mitglieder der Schulleitung, Fachabteilungsleiter/Innen und Lehrkräfte in Thüringen und Baden-Württemberg befragt. Das Berliner Projektteam um Prof. Dr. Harm Kuper hat analog dazu dieselben Akteursgruppen in den Bundesländern Berlin und Brandenburg interviewt: Vertreter der Schuladministration, Schulleitungen, Fachabteilungsleiter/Innen und Lehrkräfte). Mit Hilfe von leitfadengestützten Interviews wurden die jeweiligen Umgangsweisen der eigenen Ebene und vor allem die Verbindungen zu anderen Ebenen des Schulsystems thematisiert.

Bezugnehmend auf Visscher und Coe, die in ihren Forschungsarbeiten verschiedene Merkmale von Rückmeldesystemen identifizieren, die als ausschlaggebend für eine positive Nutzung von Testdaten durch Lehrkräften gelten, wird für das Schulsystem vermutet, dass sich in Bezug auf die Rückmeldungen keine hierarchische Abbildung des Schulsystems ergibt, sondern stattdessen Akteure in unterschiedlichen Konstellationen agieren. Das Projekt analysiert dieses Zusammenspiel der verschiedenen Ebenen des Schulsystems in Bezug auf testdatenbasierte Schulentwicklung. Vor allem steht die Beziehung der einzelnen Ebenen zueinander im Fokus.

Die Ergebnisse zeigen für die Lehrerebene, dass Lehrkräfte eine starke Führung von Seiten der Schulleitung erwarten und selbst kaum eine Verbindung zwischen Testdaten und Schulentwicklung herstellen können. Dennoch gibt ein Großteil der befragten Lehrkräfte (60 von 75) an, die Testdaten, die als Feedback über den Unterricht gesehen werden, instrumentell zu nutzen, d.h. für die Unterrichtsentwicklung. Ausgehend von dem Ziel, das die Lehrer jeweils verfolgen, versuchen sie, gemäß ihrer impliziten Handlungstheorie den Unterricht anzupassen.

Die Ebene der Fachschaft ist zentral für die Aufarbeitung der Testergebnisse. Die Kommunikation über Vergleichsarbeiten findet meist auf Fachbereichsebene statt oder zwischen den betroffenen Lehrern.

Die Schulleitung spielt im Umgang mit Vergleichsarbeiten eine zentrale Rolle. So kann sie  beeinflussen, ob und im welchem Ausmaß sich die Fachbereichsleiter/Innen und Lehrkräfte mit den Ergebnissen von Vergleichsarbeiten beschäftigen. Dabei zeigt sich, dass das Schulleitungshandeln im Kontext von VERA 8 zwischen strategischer und operativer Vernetzung der schulischen Akteursgruppen und dem Delegieren von individueller Verantwortung (insbesondere auf die einzelnen Fachbereiche) variiert. Zudem fungiert sie als einziger Kommunikationsvermittler zwischen Schuladministration und Lehrkräften.

Auf Ebene der Schuladministration zeigt sich länderübergreifend ein unklares Rollenverständnis zwischen Kontrolle und Unterstützung der Schulen im Umgang mit den Testdaten. Dabei scheinen länderspezifische Regelungskontexte, die bspw. in Thüringen Funktionsüberschneidungen von Kontrolle und Unterstützung der Schulämter vorsehen, sich negativ auszuwirken. Des Weiteren führt die Tatsache, dass die Rückmeldungen den Schulen, nicht aber den Schulämtern zurückgemeldet werden, zu keinem umfangreichen Austausch zwischen Schule und Schulamt. In Baden-Württemberg weist das Interviewmaterial auf eine Verantwortungsabschiebung hin: Die Schuladministration betont, dass die Ergebnisse auf Schulebene genutzt werden sollen und Unterstützung dafür vom Landesinstitut erfolgen muss.

Im weiteren Projektverlauf sollen kontrastierende Typenbildungen innerhalb der Länder und kontrastierende Ländervergleiche erstellt werden.

Kontakt: uwe.maier@ph-gmuend.de; harm.kuper@fu-berlin.de